• Maxi✨Buchsinn

Autoreninterview mit Thomas Knüwer

Aktualisiert: Okt 13


Fangen wir mit etwas Leichtem an, stell dich doch einfach mal in 5 Sätzen vor.


Ich mag Menschen, die sich nicht verstellen.

Ich mag Geschichten, die den Kopf und das Herz öffnen.

Ich mag Dunkelheit, weil sie ans Licht erinnert.

Ich mag Arbeit, die sich nicht als solche anfühlt.

Ich mag Musik, die laut und verzerrt ist.



Wie kommst du auf die Ideen, die schlussendlich zu deinen Büchern führen?


Es klingt banal und abgegriffen, aber tatsächlich inspiriert mich das Leben, das ich lebe und die Menschen, die mich umgeben. „Ventadorn“ dreht sich um kollabierende Gesundheitssysteme und die verheerende Macht von unkontrollierter und hochtechnologisierter Werbung. Mein Job in einer Werbeagentur war sicherlich einer der Gründe, warum ich das Buch geschrieben habe. „Das kurze Leben einer immer wieder Sterbenden“ dreht sich um Nahtoderfahrungen – hier war unter anderem mein Vater meine Inspiration, der leider schon solche Erfahrungen machen musste. Meist nutze ich reale Momente und spinne sie mit fantastischen Welten und verrückten Charakteren zu irren Geschichten weiter.


Wann war für dich der Zeitpunkt gekommen, aus einem Hobby heraus professionell zu schreiben?


Ich würde nicht behaupten, dass ich professionell schreibe. Das Schreiben ist eine Leidenschaft, die ich nicht lassen kann, weil mein Kopf sonst explodiert. Es ist mehr Hobby und Leidenschaft als Profession – was nicht heißt, dass sich das nicht noch ändern kann.


Übst du hauptberuflich einen weiteren Job aus?


Hauptberuflich arbeite ich in einer Werbeagentur in Hamburg. Ich habe vor 15 Jahren Grafik-Design studiert und bin danach direkt in die Werbebranche gezogen, da ich dort das Gefühl hatte, mit schrägen Ideen tatsächlich Geld verdienen zu können. Und das hat sich überraschenderweise bewahrheitet. Ich mag meinen Job sehr, da ich tagtäglich mit fantastischen Leuten zu tun habe, die mich inspirieren, schlauer machen und zum Lachen bringen.


Wie sehr hat sich dein Leben nach der Veröffentlichung deines ersten Buches geändert?


Mein Leben hat sich kaum verändert, mein Kopf sehr. Da ich im Selfpublishing veröffentlicht habe, gab es keinen Verlag, der etwas von mir erwartet hätte. Da Ventadorn vor gut einem Jahr mein erstes Buch war, gab es keine Leser:innen, die irgendwas von mir erwartet hätten. Die größte Veränderung sind wohl die Menschen, die ich durch meine Bücher und #bookstagram seitdem kennengelernt habe. Menschen mit unterschiedlichen Interessen, Identitäten und Herkunft, die sich über guten Geschichten treffen. Der Austausch mit solchen Menschen ist die größte (und schönste) Veränderung.


Wie sieht dein Alltag aus? Du musst doch sicherlich einiges unter einen Hut bekommen?


Ich arbeite Vollzeit in einer Werbeagentur und habe zwei Kinder (das dritte ist unterwegs). Meiner Familie und Arbeit gehören die meiste Zeit, Schreiben und Lesen kommt an dritter Stelle. Das unter einen Hut zu bekommen, ist nicht immer leicht. Manchmal schreibe ich zwei Monate lang gar nicht, während ich in anderen Monaten hundert Seiten schaffe. Mein Leben diktiert mein Schreibpensum.


Wie sieht deine Zukunftsplanung aus? Können wir uns auf Neuerscheinungen freuen?


Auf jeden Fall. Aktuell arbeite ich an zwei Büchern. Eine Science-Fiction-Geschichte, die sich um ein wundersames Kind auf einem fernen Mond dreht, und eine Urban Fantasy mit SciFi-Elementen (und einem ungewöhnlichen Twist). Ich denke, irgendwann im nächsten Jahr ist mindestens eine der beiden Geschichten bereit, gelesen zu werden.


Wofür bist du dankbar?


Für meine Familie.


Deine schönste Erinnerung aus 2020?


Das Zusammenrücken unserer Familie in Zeiten von Home Office und Home Schooling. Massive Herausforderung, chaotische Koordination, ganz viel Liebe.


Welchem deiner Charaktere würdest du gerne mal begegnen?


Cel aus Ventadorn. Ich glaube, dass ich viel von ihr lernen könnte.


Was ist das Verrückteste, was du jemals getan hast?


Das Verrückteste, das ich je getan habe, zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass ich es nicht öffentlich im Internet erzählen werde.


Hast du ein literarisches Vorbild?


Neil Gaiman. Von Sandman, über Graveyard Book, Coraline und Neverwhere bis hin zu Der Ozean am Ende der Straße. Gaimans Geschichten berühren und faszinieren mich, wie kaum etwas anderes. Er ist einer der Hauptgründe, warum ich selbst schreiben wollte.


Wie würdest du deinen perfekten Tag beschreiben?


Früh aufstehen, Espresso in der Sonne, Schreiben auf der Terrasse, Spielen mit den Kindern, Auspowern auf dem Rad, kalte Dusche, kaltes Bier, gutes Buch.


Welches Buch würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?


Zählt der Kindle mit allen E-Books als ein Buch? Ansonsten „Die Hyperion-Gesänge“ von Dan Simmons.


Schreibblockade. Wie gehst du damit um?


Ehrlich gesagt hatte ich bisher noch keine wirkliche Schreibblockade. Vielleicht weil ich noch nicht allzu lang tatsächliche Romane schreibe, vielleicht aber auch, weil ich es durch meine kreative Arbeit in einer Werbeagentur gewohnt bin, immer weiter Ideen machen zu müssen.


Hand aufs Herz. Was hasst du am Autorenleben?


Nichts. Es gibt Sachen, die nerven – etwa zu wenig Zeit zum Schreiben zu finden – aber ich hasse nichts am Autorenleben. Ich habe es mir ja selbst ausgesucht.


Was möchtest du deinen Lesern mit auf dem Weg geben?


Dass sowohl die Menschen als auch die Welt im Grunde gut sind. Das mag zunächst seltsam wirken, da meine beiden bisherigen Bücher dunkel, hart und morbide sind. Doch genau dadurch möchte ich zeigen, dass es an uns liegt, gute oder schlechte Entscheidungen für uns und andere zu treffen. Wir sind weder böse geboren, noch ohnmächtig. Einzelne Personen können die Welt besser machen – um das zu beweisen, werfe ich meine Protagonist:innen in die Dunkelheit, aus der sie sich herauskämpfen müssen (und können).


Für welches Genre würdest du nicht schreiben?


Ich schließe kein Genre aus, so lange die Protagonist:innen und die Welt mich interessieren und ich die Geschichte glaubhaft erzählen kann. Wenn ich mich in die Personen, ihre Beziehungen und Konflikte, nicht hineinversetzen kann, werden das Schreiben und später das Lesen höchstens oberflächig sein. Generell zieht es mich aber zu fantastischen Genres. Science-Fiction, Fantasy, Dystopien, Urban Fantasy, Alternativgeschichte. Ich mag es, die reale Welt zu verbiegen, um herauszufinden, wie Menschen darauf reagieren.


8 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen